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Toter Punkt versus Schlussahnen

29. Mai 2024
Wenn man sich mit Genealogen unterhält, fällt oft der Begriff „toter Punkt“ entweder, weil jemand nicht weiterkommt oder weil jemand ihn überwunden hat. Aber was ist der tote Punkt und wie kann man ihn überwinden?

Sucht man im Internet nach „toter Punkt“ erhält man sofort die wikipedia Definition „Als Toter Punkt wird in der Genealogie der Endpunkt einer Ahnenlinie bezeichnet, ab dem weitere Ahnen mit naheliegenden Methoden nicht ohne weiteres zu finden sind, aber begründete Hoffnung besteht, weitere Zusammenhänge aufzuklären.“ Heißt also, der Forschende steckt in einer Sackgasse und weiß nicht, wie die nächsten Informationen gefunden werden können, ist sich aber sicher, dass es Aufzeichnungen zur gesuchten Person geben muss. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Vorfahren umgezogen sind und unklar ist wohin bzw. woher sie gekommen sind oder wenn Einträge in Kirchenbücher fehlen bzw. unvollständig sind. Aber auch bei nicht eindeutigen Ortsnamen, bei Veränderungen bei der Schreibweise des Familiennamens sowie bei doppelten Namen oder bei unleserlichen Eintragungen, kann ein toter Punkt erreicht werden. 

Generell gibt es keinen allgemeingültigen Ansatz, um einen toten Punkt zu überwinden. Kirchenbücher oder andere Quellen sind unauffindbar oder können vernichtet sein, in diesem Fall wird aus dem toten Punkt einer Ahnenlinie ein sogenannter Schlussahnen. Heißt, dass die Forschung nicht über diesen Ahnen hinweg gehen kann. Dies ist beispielsweise auch bei unehelichen Kindern der Fall, wenn nur die Mutter im Geburtseintrag vermerkt ist oder der Vorfahre zu einer Zeit gelebt hat, wo keine schriftlichen Quellen überliefert sind.
Wenn Forschende jedoch glauben, noch nicht bei einem Schlussahnen angekommen zu sein, dann hilft es durch andere Suchansätze an Informationen zu kommen. Beispielsweise durch ein Resümee der bisher genutzten Quellen: Wurden bisher alle möglichen Quellen ausgeschöpft? Standesamtsakten und Kirchenbücher sind nur eine Quelle in der Familienforschung. Wurden auch andere Quellen genutzt wie Militärakten, Kataster und Grundbücher, Gerichtsakten etc.?
  • Gründliche Studie der bisher vorliegenden Quellen über die Person: Gibt es hier Anhaltspunkte die Rückschlüsse auf den Verbleib bzw. die Herkunft ermöglichen? Was weiß man über die Eltern/Geschwister?
  • Geschichtliche Informationen über den (letzten) bekannten Ort sammeln: Hat sich an der Verwaltung/Regentschaft geändert, sodass sich ggf. die Konfession bzw. die Zuständigkeit geändert haben kann? Gab es Aufrufe von Werbern für eine Auswanderung in neue Siedlungsgebiete? Gab es schwere Krankheiten und Seuchen, Kriege oder ähnliche Ergebnisse?
  • Suche im Internet: Die Zahl der veröffentlichten privaten Forschungsergebnisse wächst rasant. Vielleicht hat man Glück und die gesuchte Person (oder nahe Verwandet) taucht darin auf.
Wichtig: Nicht den Mut verlieren und manchmal mit ein wenig Abstand auf die bisherigen Forschungsergebnisse schauen, dann ergibt sich vielleicht nochmal eine neue Möglichkeit in der Familienforschung weiterzukommen.

Quellen: wikipedia & Genwiki

Neuste Beiträge

27. November 2024
1673 entstand das neue Stadtgebiet „Dorotheenstadt“ als Vorort von Berlin und Cölln, um den Glaubensflüchtlingen (insbesondere den Hugenotten) eine neue Heimat unter der Regierung des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1640-1688) zu geben. Im Zuge der Ernennung von Berlin zur Residenzstadt des Königreich Preußens, wurde die Dorotheenstadt als Stadtteil nach Berlin eingemeindet. König Friedrich Wilhelm I. (1740-1786) baute Berlin zur Garnisonstadt aus und so entstanden 1773 am Spreeufer die ersten Kasernen, in der das 4. Regiment Artillerie und das 9. Bataillon Artillerie untergebracht wurde. 1897 Abriss der maroden Gebäudeteile und Errichtung von Neubauten. 1901 bis 1919 Stationierung des Kaiser-Alexander-Garde Grenadier Regiment Nr. 1. 1920 bis 1935 Nutzung durch die Freiwillige Volkswehr und der Sicherheitspolizei. 1935 Nutzung durch die Wehrmacht-Kommandantur Berlin (Westkaserne). 1945 einfache Instandsetzungsmaßnahmen Nutzung durch die Volkspolizei 1962 Umbenennung in Friedrich-Engels-Kaserne Preußen war seit der Reformation ein rein evangelischer Staat und die katholische Konfession war durch den Westfälischen Frieden nur geduldet. Die erste offizielle Anstellung eines katholischen Geistlichen in Berlin erfolgte 1722, als der Dominikaner Dominicus Torch als Seelsorger für die katholischen Soldaten in Berlin und Brandenburg seinen Dienst aufnahm. Bis dato betreute der evangelische Feldprobst auch die katholischen Soldaten. Seit der Ernennung Berlins 1871 zur Reichshauptstadt nahm der Anteil der katholischen Bevölkerung in Berlin sprunghaft zu. Da dazu neben Beamten auch Soldaten zählten, wurde 1894 die Grundsteinlegung einer der größten katholischen Kirchen in Berlin vollzogen. Drei Jahre später stand die Garnisionskirche „St. Johannes der Täufer“ am Tempelhofer Feld. Bereits 1936 bis 1945 war Georg Werthmann Militärgeneralvikar für die katholische Militärseelsorge. Dieses Amt übernahm er auch wieder 1956 bis 1962. Als ihm 1945 klar war, dass der Zweite Weltkrieg verloren war, brachte er nicht nur sich selbst sondern auch alle (?) schriftlichen Akten der katholischen Kurie aus Berlin in Sicherheit. In einem Kloster in Niederbayern begann er alle Unterlagen neu zu ordnen und anhand der Schriftstücke ein Buch über die Geschichte der Militärseelsorge zu schreiben. Das Buch konnte er bis zu seinem Tod 1980 nicht beenden, doch durch seine Vorsorge sind die Unterlagen - im Gegensatz zur evangelischen Seelsorge erhalten geblieben und noch heute im Archiv der katholischen Militärseelsorge einzusehen. Auch heute liegt die Hauptaufgabe der Katholischen Militärkurie auf der Betreuung der Soldaten in Berlin, doch die Seelsorger selbst sind keine Soldaten. Bei Auslandseinsätzen tragen die Seelsorger zwar Tarn, doch statt Dienstabzeichen sind sie mit dem speziellen Kreuz der katholischen Militärseelsorge gekennzeichnet. Die katholische Militärseelsorge ist auch keine Diözese, doch als Teil der Deutschen Kirche gelten auch hier die Abläufe der Kirche. So werden in der St. Johannes-Basilika Gottesdienste abgehalten und Militärangehörige können hier heiraten und ihre Kinder taufen lassen. Die Matrikeln werden im hauseigenen Archiv verwaltet. In Zusammenarbeit mit Matrikular wurden alle Kirchenbücher digitalisiert. Quelle: mündliche Informationen bei einer Führung durch die Militärkurie in Berlin
13. November 2024
Zwischen 1824 und 1933 wanderten rund 200.000 Menschen aus den deutschsprachigen Ländern nach Brasilien ein, was nach den USA eines der wichtigsten Zielländer war. Aber auch Nordost Argentinien, Paraguay, Uruguay und Süd-Chile wurde zur neuen Heimat. Ortsnamen wie Blumenau oder Novo Hamburgo zeugen noch heute von den deutschen Auswanderern. Seit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus, eroberten vor allem die Spanier und Portugiesen nach und nach den südamerikanischen Kontinent. Durch den Vertrag von Tordesillas wurde das Land 1494 zwischen beiden Mächten vertraglich aufgeteilt. Die Trennlinie wurde dabei rund 2.200 km westlich der Kapverdischen Inseln gezogen. Spanien gehörte der westliche und Portugal der östliche Teil. Der spanische Teil war deutlich größer doch größtenteils noch unerforscht, Portugal erhielt den südamerikanischen Osten, der später zur Kolonie Brasilien wurde. Im 18. Jahrhundert entwickelten die spanischstämmigen, aber in Lateinamerika geborenen Nachfahren der ehemaligen Conquistadores (Eroberer) ein neues Selbstbewusstsein. Sie wollten mehr Mitspracherecht und mehr Anerkennung. Die Unabhängigkeitskämpfe wurden durch die Handelsmacht England unterstützt, die mit den Kolonien direkt Handel treiben wollte. Bis 1825 hatten fast alle lateinamerikanische Kolonie – bis auf Kuba und Puerto Rico – sich von Spanien losgesagt und ihre Unabhängigkeit erklärt. Brasilien wurde zur gleichen Zeit ebenfalls unabhängig, errichtete jedoch keine Republik wie den anderen Ländern, sondern ein Kaiserreich. Zeitgleich wanderten die ersten deutschen Siedler aus dem Hunsrück und der Westpfalz nach Brasilien aus, geplagt von Hunger und Armut, erhofften sie sich hier ein besseres Leben. Die Behörden vor allem in Brasilien waren anfangs an den Einwanderern aus Deutschland interessiert, denn sie erhofften sich eine landwirtschaftliche Erschließung des Südens. Später unterstützten die einheimischen Intellektuellen die Rassentheorien und bewunderten die Deutschen. Sie hofften, dass auch ihr Land „zivilisiert“ und „aufgeweist“ werden würden. So wurden Einwanderer lange finanziell und logistisch unterstützt. Zwischen 1933 und 1945 kamen rund 100.000 deutschsprachige Juden nach Lateinamerika sowie Vertriebene aus dem Sudetenland oder den donauschwäbischen Gebieten wie dem Banat. Lange wurden deutsche Traditionen in Brasilien gepflegt, doch es waren die Traditionen aus den Heimatgebieten der Auswanderer und somit keine einheitliche Kultur. 2011 fand das erste Treffen von 14 deutschstämmigen Familienforschenden in Brasilien statt, die sich mit der Geschichte der deutschen Einwanderer insbesondere im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul widmen. Die Gruppe nannte sich GenealogiaRS und unterhält neben einem Facebook-Kanal auch eine umfangreiche Website auf Portugiesisch. Hier können digitalisierte Kirchenbücher bestellt werden bzw. per Download heruntergeladen werden. Aber auch der Verein für Computergenealogie kann für Familienforschende eine gute Anlaufquelle sein, nicht nur ein Grabsteinprojekt in Chile, sondern auch ein „Adressbuch der Deutschen im Auslande“ von 1934 können erste Anhaltspunkte liefern. Quelle: Computergenealogie 4/2021, Spiegel Geschichte Nr. 1/2022 und bpd.de
30. Oktober 2024
Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zogen Siedler aus dem deutschsprachigen Mitteleuropa in verschiedene Regionen des Russischen Reiches. Sie lebten in weitgehend autonomen und privilegierten Kolonien, pflegten die deutsche Sprache, Kulturen und Verwaltungsordnungen. Je nach Gebiet wurden sie als Wolgadeutsche, Wolhyniendeutsche oder Schwarzmeerdeutsche bezeichnet, der allgemeine Begriff Russlanddeutsche entstand erst im 20. Jahrhundert. Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871 begann für die Nachkommen der ersten Siedler eine schwierige Zeit: Die russische Regierung trieb die sogenannte Russifizierung voran, um keine „deutschen Spione“ im Reich zu fördern. Orte, die bisher ausschließlich deutsche Namen trugen, wurden ins russische übersetzt oder ganz verändert, der Schulunterricht wurde nun in russischer Sprache gehalten und die Befreiung von der Wehrpflicht wurde ausgesetzt. Von letzterem waren vor allem die mennonitischen Glaubensgemeinschaften stark betroffen, die den Dienst an der Waffe strikt ablehnen. Als Folge siedelten viele Familien nach Nord- und Südamerika aus. Während des Ersten Weltkrieges nutzen vereinzelte deutsche Familien die Heereszüge, um den Weg in das Deutsche Kerngebiet anzutreten. Die neue Sowjetregierung förderte zunächst die Selbstständigkeit der nationalen Minderheiten, an der Wolga wurde 1924 sogar die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Wolgadeutschen ausgerufen. Doch in den 1930er Jahren war die Hochstimmung dann jäh vorbei: Mit der sogenannten Stalinistischen Säuberungen wurde die Kollektivierung des Privateigentums begonnen und Menschen wurden aus unterschiedlichen Beweggründen der antisowjetischen Propaganda und konterrevolutionären Sabotage bezichtigt. Anklagen führten zu langen Haftstrafen oder direkt zum Tod. Auch ein Erlass gegen Deutsche gab es zu dieser Zeit, in welchem den Russlanddeutschen vorgeworfen wurde, mit dem Dritten Reich zu kollaborieren. Die Autonomen Regionen wurden daraufhin aufgelöst und Deportationen nach Zentralasien und Sibiriern veranlasst. Zwischen 1941 und 1946 verbrachten die meisten Russlanddeutschen ihr Leben in Arbeitslagern. Obwohl sich die Bedingungen für die deutschsprachigen Menschen in Russland nach dem Tod Stalins 1953 und dem Besuch von Konrad Adenauer 1955 etwas verbesserte, eine vollständige Rehabilitation und die Widerherstellung der Autonomie fand nicht statt. Auch wenn der Wunsch nach einer Auswanderung nach Deutschland immer mehr zunahm, konnte dies erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den 1990er verwirklicht werden. Es folgte eine Massenauswanderung nach Deutschland. Da das Schicksal vieler Familienangehörigen jedoch unklar war, ist es nicht verwunderlich, dass das Interesse an der Familienforschung bei den Auswanderern in Deutschland stieg. Man suchte nach den eigenen Wurzeln und nach Angehörigen, zu denen der Kontakt aufgrund der ersten Auswanderungswelle oder der Deportation in die Arbeitslager abgebrochen war. Doch die Ahnenforschung war und ist für viele noch weit mehr: Man sucht eine Gemeinschaft und nach dem Austausch, die Erfahrungen zu verarbeiten. So haben sich weltweit verschiedene Organisationen gegründet wie die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. oder Jugend LmDR e.V. Auch heute noch leben Menschen mit deutschen Wurzeln in Russland. Quellen: Computergenealogie 3/2021 & Bundeszentrale für politische Bildung
16. Oktober 2024
Seit 2019 hat die öffentliche Forschungseinrichtung Pilecki-Institut in Berlin am Pariser Platz eine Ausstellungsfläche, wo die Geschichte des 20. Jahrhunderts und insbesondere die Geschichte des Zweiten Weltkrieges aufbereitet und dargestellt wird. Witold Pilecki wurde 1901 in der russischen Region Karelien geboren und ist der einzige bekannte Mensch, der sich freiwillig festnehmen und in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau bringen ließ. Er wollte die Wahrheit über das Lager erfahren und die Welt darüber informieren. Zwischen 1940 und 1943 organisierte er eine Widerstandsbewegung, die der Außenwelt vom Holocaust berichtete. Diese sogenannten Pilecki-Berichte wurden mündlich an die Führer des polnischen Untergrundstaates weitergegeben. Kuriere brachten die Informationen später auch nach London. Ihm gelang 1943 die Flucht aus dem Lager. 2017 wurde das Pilecki-Institut in Warschau gegründet, zwei Jahre später kam der Berliner Standort dazu. Das Institut sammelt, digitalisiert und dokumentiert Unterlagen aus polnischen, deutschen und russischen Archiven zur Verfügung und hilft bei der Erforschung der Vorkommnisse des Zweiten Weltkrieges und deren Auswirkungen auf die aktuellen weltpolitischen Geschehen. Quellen: berlin.instytutpileckiego.pl & Beitrag im Fachzeitschrift Forum (2019)
2. Oktober 2024
Der Verein für Computergenealogie ist seit 1989 überregional nicht nur in der deutschen Familienforschung unterwegs und bietet ein breites Spektrum an Möglichkeiten zur Suche, Vernetzung und Mitmach-Projekten. Durch über 4.000 Einzel-Mitgliedern und 50 Mitglieds-Vereinen mit wiederum über 20.000 Mitgliedern zählt der Verein für Computergenealogie zu Deutschlands größtem genealogischem Verein. Von der Vielzahl an Angeboten werden hier einige vorgestellt. GenWiki: Wer kennt nicht wikipedia und nutzt es regelmäßig als modernes Lexikon? GenWiki verfolgt den gleichen Zweck, Wissen und Informationen zu sammeln und zu veröffentlichen – nur speziell auf die Familienforschung ausgerichtet. Basiswissen rund um die Genealogie, Lexika und Wörterbücher, Übersichten über genealogische Vereine, Ortsseiten und vieles mehr kann mühsame Sucharbeit ersparen. GEDBAS und Ortsfamilienbücher: Warum kompliziert suchen, wenn andere bereits Familien oder Orte erforscht haben? Viele Mitglieder haben ihre Forschungsergebnisse auf GEDBAS online veröffentlicht oder in Form von digitalen Ortsfamilienbücher im GenWiki veröffentlicht. Die Suche nach den eigenen Vorfahren muss dabei nicht in jeder online Datenbank einzeln erfolgen, denn die Suchfunktion ermöglicht es in allen digitalen Quellen des Vereins für Computergenealogie zu suchen. Adressbücher und Familienanzeigen: Freiwillige erfassen private Familienanzeigen aus verschiedenen Zeitungen und stellen sie hier online. Bei den Todesanzeigen muss keine Sperrfrist eingehalten werden, bei anderen Anzeigen wird auf die datenschutzrechtlichen Regelungen geachtet, sodass aktuell nur Familienanzeigen online gestellt sind, deren Erscheinungsdatum weit zurückliegt. Historische Adressbücher sind ebenfalls von Freiwilligen indexiert worden oder warten noch auf die Indexierung. In letzteren kann meist jedoch schon bequem von zu Hause aus recherchiert werden, da diese bereits digitalisiert sind. Grabsteine und Verlustlisten: Das Grabsteinprojekt wurde 2007 ins Leben gerufen, um diese wichtige Nebenquelle zu erschließen, ähnlich wie es eher kommerziell ausgerichtete Plattformen anbieten. Jährlich erfassen viele Freiwillige vor allem kleinere Dorffriedhöfe ihrer Heimat, um diese vergängliche Quelle für Forschende zu bewahren. Die Verlustlisten des Ersten Weltkrieges wurden ebenfalls von Freiwilligen indexiert: Innerhalb von knapp 3 Jahren wurden über 8,5 Millionen Datensätze erschlossen und für eine einfache Suche erschlossen. Die Datensätze sind – bis auf einige Veröffentlichungen von privaten Forschenden – auch für nicht Mitglieder nutzbar. Es lohnt sich daher, nicht nur einen kurzen Blick auf diese Quellen zu werfen. Quelle: Computergenealogie 3/2024 & compgen.de
18. September 2024
Obwohl bereits viele Jahre über ein zentrales Reichsarchiv diskutiert wurde, erfolgt die Gründung erst im Jahre 1919. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurden in Deutschland alle militärischen Einrichtungen mit dem Versailler Vertrag aufgelöst. Die bisher dort gelagerten Unterlagen wurden vom neu gegründeten Reichsarchiv übernommen und nun im Hauptstandort Potsdam sowie in der Außenstelle in Frankfurt am Main gelagert. Die wertvollen Teile der Bestände wurden in den Jahren 1944/1945 aufgrund des Zweiten Weltkrieges ausgelagert. Die noch nicht ausgelagerten Bestände des Heeresarchivs in Potsdam wurden bei einem Luftangriff im April 1945 vernichtet. Durch die Teilung Deutschlands in die vier Sektoren und der folgenden Trennung in BRD und DDR wurde 1946 das Deutsche Zentralarchiv in der DDR errichtet, ab 1973 trägt es den Namen „Zentrales Staatsarchiv“. In der BRD wurde erst 1952 das Bundesarchiv in Koblenz als Obere Bundesbehörde im Bundesministerium für Inneres beschlossen. Die Außenstelle des Reichsarchivs in Frankfurt am Main wurde zwei Jahre später an das Bundesarchiv eingegliedert. Die zentrale Aufgabe des Bundesarchives ist es, anfallendes Archivgut der Bundesregierung und ihrer Dienststellen zu sammeln, zu ordnen und wissenschaftlich zu verwerten. Im Laufe der Zeit wurden weitere Abteilungen an verschiedenen Standorten der BRD eingerichtet. Nach der Wiedervereinigung 1990 wurden die zentralen Archive der DDR in das Bundesarchiv eingegliedert und neue Abteilungen, wie die Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv, gegründet, das unter anderem das Parteiarchiv der SED beinhaltet. Als 1994 die amerikanischen Truppen Berlin verließen, wurden die Mitgliedskartei der NSDAP sowie die Personalakte von rund 62.000 SS-Führern dem Bundesarchiv übergeben. Über 420 Kilometer Akten, tausende Filme und Millionen Fotos und Karten werden heute an den 23 Standorten des Bundesarchives konserviert und gelagert. Das Hauptaugenmerkt liegt dabei auf der Wahrung des nationalen politischen Gedächtnisses und dafür zu sorgen, dass staatliches Handeln transparent bleibt. Für Journalisten und Wissenschaftler ist das Bundesarchiv ein wichtiger Ort für Recherchen, doch auch Privatpersonen haben Zugriff. Für Familienforschende ist besonders die Wehrmachtsauskunftsstelle von Interesse, um vom Leben und Schicksal der Großväter und Urgroßväter zu erfahren. Doch auch die NS-Vergangenheit kann hier erforscht werden. Die erhalten gebliebenen NSDAP-Mitgliederkarteien sind hier gelagert und bereits größtenteils digitalisiert. Quellen: www.bundesarchiv.de & Fachzeitschrift Forum (2019)